Briefe & Konzepte

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Was für eine Überraschung! (Thorsten Meier-Bartlog, 28.8.2013)

(Konzept als PDF)

Zugegebenermaßen eine Schande, aber wohl nicht nur bei mir die Realität … obwohl seit über 10 Jahren in Stuttgart lebend, war mir nie bewusst, was für ein tolles Areal sich rund um die Villa Berg befindet. Und das nicht nur die Villa, sondern inzwischen auch die Sendestudios vor sich hin rotten.

Deswegen möchte ich mich bei den Initiatoren von Occupy Villa Berg bedanken, dass sie mich neugierig gemacht haben und vor allem die Mitgestaltung durch aktive Bürgerbeteiligung anstoßen und dranbleiben!

Weiter so … und hier ein paar meiner Gedanken der letzten Tage …

Die Villa

Hier würde ich mir die Wiederbelebung als multifunktionaler Veranstaltungsort wünschen.

In der historischen Grundstruktur lässt sich mit Sicherheit ein phantastisches Ambiente für „hautnah“-Konzerte schaffen. Wie ein akustischer Rückbau des Sendesaals aussehen könnte, um einen guten Livesound in die Villa zu bringen und wieder mehr Architektur zu spüren, ist sicher eine große Aufgabe … aber in meinen Augen den Aufwand wert, um Stuttgart um eine einzigartige Spielstätte für hochwertige und intime Kulturveranstaltungen zu bereichern.

Von Konzerten, über Theateraufführungen, Lesungen, Performances, Filmpremieren … alles Mögliche ist denkbar! Natürlich darf auch eine passende Gastronomie nicht fehlen!

Einerseits natürlich für das Veranstaltungspublikum – andererseits aber auch tagsüber und unter der Woche zur Belebung des Parks. Was ein schöner Biergarten könnte rund um die Villa entstehen! Ein stilvoller Anbau mit viel Glas und Ausblick für ein Restaurant?

Mein Traum vom Brauhaus wird sich in Kombination mit der Villa als Veranstaltungsraum wohl nicht erfüllen – aber es steht in naher Zukunft vielleicht ja noch der Gutbrodbau dafür zu Disposition 😉

Die Sendestudios

Bei meinem Spaziergang rund um die Sendestudios beim letzten Planungspicknick wurden mir erstmals die Größe und der doch nicht so schlechte Zustand der Sendestudios bewusst. Große Chance und Risiko zugleich, denn die Größe will beherrscht werden! Aber mir gingen direkt so viele Nutzungsideen durch den Kopf, dass ein voreiliger Abriss aus meiner Sicht viele Chancen ziehen lässt.

Für mich überwiegen auf den ersten Blick die Vorteile, denn für viele Branchen müssten die Gebäude eigentlich schon viel mitbringen, was an anderen Orten erst für viel Geld geschaffen werden muss:

    • viele funktionale Büroflächen unterschiedlichster Größe
    • Bauweise, die flexible Raumaufteilungen ermöglicht
    • akustische Einbauten (für Tonstudios, Postproduktionshäuser)
    • Kabelschachtsystem zu flexiblen Vernetzung und Signalführung
    • funktionstüchtige Studios
    • ausgestattete Großküche, Cafeteria und Sozialräume
    • unterirdische Räume mit natürlichem Lärmschutz
    • große Lager- und Logistikflächen
    • Tiefgarage mit vielen Stellplätzen, ohne neue Fläche zu versiegeln
    • (Lasten-)Aufzüge
    • LKW- und PKW-Zufahrten

Daraus resultiert meine Ideenskizze und Stichwortsammlung zur Inspiration und Diskussion:

Ein vielfältiges Medien-, Kultur- und Jugendzentrum, das etablierte Unternehmen, Startups und den jugendlichen Nachwuchs zusammenbringen kann.

  • ein Gebäude für Langzeitmieter; das andere mit subventionierten 2-3 Jahres-Verträgen – Umzug jederzeit möglich, ohne das Netzwerk zu verlieren
  • Integration eines Jugendzentrums zur Förderung von kulturellem Engagement und Medienkompetenz. Insbesondere Musik verbindet. Dies ist sicherlich auch eine große Chance für den Stuttgarter Osten.
  • Plug & Work Arbeitszonen auf jeder Etage zur kurzfristigen Kapazitätserweiterung bei großen Projekten und Kollaborationen
  • gemeinsam nutzbare Bereiche (Besprechungs- und Präsentationsräume, Ausstellungsflächen, Ruhezonen)
  • Im unterirdischen Bereich Lager- und Logistikflächen für einen großen Filmtechnikverleih (Kamera, Licht, Bühne), der auch die Studios betreiben könnte
  • Studios für Profis und künstlerische Projekte. Auch hier können viele Synergien zwischen kommerzieller und kultureller Nutzung entstehen.
  • Zentrale Lager- und Logistikflächen für Requisiten- und Kostümfundus. Entweder professionell betrieben oder auch shared-space für Stuttgarter Freelancer aus diesen Gewerken
  • Proberäume für Bands, einzelne Musiker und Projekte (mit Anschluß an Tonstudios)
  • Veranstaltungsräume im ober- und unterirdischen Bereich
  • Vielleicht findet sich auch ein optimaler Raum für ein Kommunales Kino. Dieses könnte tagsüber auch von Unternehmen genutzt werden, um den kulturellen Betrieb zu subventionieren.
  • Gemeinsame Cafeteria als Treffpunkt für alle
  • Kita oder mindestens betreute Kinderspielbereiche (mitten in einem großen Park!)

Beim Blick auf das Luftbild erschließt es sich mir nicht, warum auf Renaturierung gedrängt werden sollte, denn der Park bietet noch so viel Natur rundherum. Sicher muss man sich über ein energetisches Konzept Gedanken machen, aber es gibt bestimmt Möglichkeiten, wie die Gesamtbilanz in den Griff zu bekommen ist. Auch die Wiederinbetriebnahme der Gebäude ist sicher nicht so einfach, wie man sich das vorstellt, und benötigt eine professionelle Verwaltung.

Aber unterm Strich überwiegen für mich auf den ersten Blick die Vorteile und Chancen, und man sollte nicht den Fehler einer vorschnellen Entscheidung machen, weil es gerade populär ist, alte Zweckbauten abzureißen.

Der Park

Rund um Villa und das Medien- und Kulturzentrum könnte der Park als Begegnungs- aber auch Rückzugsort gestaltet werden.

Wichtig wäre mir ein Gleichgewicht aus Leben und Ruhe … Rund um die Villa sehe ich einen Biergarten, Picknick- und Spielfläche. Ein kleines Amphitheater für Aufführungen und Open-Air-Kino-Abende wäre schön. Und in den entlegeneren Ecken Ruheinseln zum Lesen, Seele baumeln lassen, schlafen, lümmeln, spazieren gehen, Natur genießen. Und auch hier bringt der Park schon eine Menge mit! Die Wasserspiele könnten wiederbelebt, das Belvedere als Ruheinsel gepflegt, und Außenanlage der Villa mit den Schachfeldern und der Boulebahn zum Freizeitbereich ausgebaut werden.

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Kunst- und Kulturareal Park und Villa Berg (Eckard Bade, 21.8.2013)

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Motto, Programm und Ziel: KulturParkBerg (Thomas Schloz, 16.8.2013)

was sein sollte / könnte … :

  • grundsätzlich: mittel-/langfristiges Nutzungs-Gesamtkonzept erforderlich für alle Gebäudeteile und Parkbereiche; Behutsamkeit und historischer Respekt als Gestaltungsmaxime; langfristige Sicherung auch in politischer/rechtlicher Hinsicht
  • Ort für Kultur-Leben und Kultur-Schaffende – breiter Kultur-Begriff (hoch&szene), mit Maßgabe von ‚Wandel als Prinzip‘ – Verhinderung von Dominanz Einzelner (Menschen / Projekte / Gruppierungen)
  • Bewahrung als (weiterhin) ruhigem Ort – ganz wesentlich!, darin Entwicklung von definierten Inseln von lebendigem Tun (kein Vorrang von ‚Events‘ gegenüber Kontemplation & Muse)
  • Nutzung für ‚kultur-orientierte‘ Tätigkeiten – zeitlich limitierte ‚Vergabe‘, so dass keine Dauer-Etablierung erfolgen kann und Wechsel (der Akteure, des Angebots, der Ideen) möglich ist/sind
  • kein Abriss der Fernsehstudio-Gebäude, da mutmaßlich bislang in ordentlichem Zustand gehalten (d.h. weiter nutzbar) und Abrisskosten sicherlich nicht unerheblich (großer Anteil an Baumasse unter Gelände?); ‚eingesparte‘ Abrisskosten für Erhaltungs-/ Anpassungsmaßnahmen verwenden
  • Prüfung möglicher Weiternutzung der vorhandenen Infra- und Gebäudestruktur (z.B. Cafeteria, Studios) – lässt vielerlei Verwendungs’raum‘ zu (auch zu Interimszwecken)

was nicht sein darf … :

  • Umbau der Sendestudios zu Wohnzwecken gäbe eine spezielle Form einer ‚Gated City‘ in Stuttgart (auch ohne Zaun und Wachpersonal) – über kurz oder lang höchstprivilegiertes Wohnen mit voraussehbarer (Eigentümer-/Mieter-)Klientel, über den Preis geregelt
  • Nutzung (nur) durch/für hoch-subvenitionierte/’gehobene‘ Kultureinrichtungen mit selektiertem Publikum – hierfür gibt es andere und angemessenere Orte (in der Innenstadt)
  • Nutzung der Villa Berg für nur eine  ‚Einrichtung’/ Nutzungsart  – sie muss hingegen als Ort für unterschiedliche ‚Bespielungen‘ offen gehalten werden, aus unterschiedlichen Bereichen (Musik/ Kino/ Kunst/ Bühne/ Fest/ Bürger-Politik/ Versammlung/ …)
  • Abriss der Sendestudios (sofern nicht substanzgefährdet, was wohl auszuschließen ist): in Stuttgart werden leer stehende/fallende Gebäude immer noch viel zu schnell und häufig abgerissen, anstelle einer möglichen Interimsnutzung (und die hat, wo gegeben, in den vergangenen Jahren immer sehr fruchtbare Folgen gezeitigt …)

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Demokratieexperiment (Roland Kiesel, 10.8.2013)

Sammlung von Ideen der Initiative „Occupy Villa Berg“ über die Benutzungsmöglichkeiten der Gebäude in dem Park „Villa Berg“.

Sehr erfreulich und mutig, weil mit großem Einsatz verbunden, sind die Bemühungen der Initiative „Occupy Villa Berg“, weil sie Ideen und Anregungen über die Gestaltung der „Villa Berg“ von Bürgern aufnimmt und damit zur Verwirklichung von Demokratie beiträgt.

Nicht erfreulich ist das Vorhaben des Gemeinderats der Stadt Stuttgart die vielen Studio-Gebäude des Südwestrundfunks (SWR)  abreißen zu lassen, die doch den Bürgern zur Verfügung gestellt werden könnten für Kreativitäten musischer und handwerklicher Art, für Veranstaltungen und für weitere Aktionen, auch für Menschen, die ihre Neigungen, Fähigkeiten, Talente entwickeln möchten

  • um 1. ihr Selbstbewußtsein und somit ihre Lebensqualität zu stärken;
  • um 2. eine Vermarktung anzustreben für die Verbesserung ihrer Einkommensverhältnisse, besonders bei Armut;
  • um 3. auch soziale Ziele zu verwirklichen, indem blinde, „gefangene“ und ältere Menschen aktiviert werden.

Folgende Aufstellung soll die Aktivitätsbereiche der Ideengeber und die Vermarktungs-Interessenten zeigen, zu denen auch städtische und staatliche sowie Wirtschaftsverbände gehören könnten, sofern Selbst-Vermarktung nicht in Betracht kommen würde.

  • Fotokreis für außergewöhnliche Motive und für Foto-Schau (Fotografen, Verlage)
  • Malkreis für kreative Ideen (Kunstsammler, Ateliers, …)
  • Veranstaltungskreis für Tanzveranstaltungen und für Tanzgaststätte mit Darbietungen, für Talentförderung und für Spielfeste mit seltenen Spielen (Künstler-Agenturen, Getränkehersteller …)
  • Literaturkreis für Bücher schreiben und für Lieder texten (Verlage)
  • Musikkreis für Komponieren (Musik-Firmen)
  • Handwerkskreis für Herstellen (lassen) von Haushalts- und Kunstgegenständen (Firmen aller Art, Baumärkte, …)
  • Erfinderkreis für Gesellschaftsspiele und für technische Erfindungen (…)
  • Tierschutzkreis für Aktionen und für Berichte verfassen (Zeitschriften, Zeitungen)
  • Veränderungskreis für neue Therapien aller Art, für Verbessern von gesellschaftlichen Zuständen und für Aktivitäten in Altenheimen (Psychologen, …)
  • Werbungskreis für Entwickeln von Werbe-Ideen (Firmen, Werbe-Agenturen, …)