Erfahrungsbericht Ralf Maier

Es ist jetzt etwa drei, vier Monate her, als Thorsten Puttenat mir von einem sehr interessanten Projekt erzählte. Es ginge da um die Villa Berg, deren Schicksal sozusagen in den Händen eines Investors läge und darum, dass dieses wunderbare Kleinod inmitten des Stuttgarter Ostens womöglich zu einem Luxusobjekt für Wohlhabende, ohne jeden Wert für die große Mehrheit der Bevölkerung werden könnte. Und er fragte mich, ob ich nicht Lust hätte, bei „Occupy Villa Berg“ mitzumachen, da ich vor einigen Jahren schon einmal an einem Projekt beteiligt war, in dem es darum ging, das Bewusstsein der Bürger für einen Teil ihrer Stadt zu wecken und die Begeisterung dafür neu zu entflammen.

Ich musste gar nicht lange nachdenken. Zwar war mir die Villa Berg nur vom Hörensagen ein Begriff, war ich doch bestenfalls – die Spaziergänge im Park liegen mehr als 15 Jahre zurück – ein, zwei Mal im Park unterwegs, in der Villa selbst noch nie. Im Grunde war mir die Villa Berg fremd und hat in meinem Stadtbewusstsein bis dahin eigentlich gar keine Rolle gespielt.

Je mehr ich mich mit der Villa befasste, umso vertrauter wurde mir die „alte Dame“, um so wunderbarer wurde für mich die Idee, sich bereits zu einem Zeitpunkt Gedanken über die Zukunft der Villa Berg und des wunderschönen Parks zu machen, zu dem noch nicht einmal klar ist, ob es dazu überhaupt kommen kann – einem Ort von allen Bürgern für alle Bürger. Mit jedem Picknick, mit jedem Interview wurde klarer, dass ein großer Gestaltungswille seitens der Bürger für dieses vergessene Paradies mitten in der Stadt vorhanden ist.

Dabei zu sein, wenn Geschichte auf Zukunft trifft, mitzuwirken an diesem Projekt, zu sehen, wie aus einer kleinen Idee ein Schmelztiegel für Träume, für Erinnerungen und ja, auch für Visionen entsteht, war eine großartige Erfahrung.

Für die Zukunft der Villa Berg wünsche ich mir, dass die Stadt Stuttgart, der wir die Ergebnisse der Bürger übergeben werden diese mit großer Sensibilität berücksichtigt. Ich wünsche mir auch, dass sie ihrem selbst formulierten Ansatz, bei der Nutzungsplanung die Bürger einzubinden, auch gerecht wird, indem sie uns allen von Anfang an die Gelegenheit gibt, mitzudenken, mitzuentwickeln, mitzuplanen. Denn nur dann wird aus dieser ehemaligen königlichen Sommerresidenz ein wahrhaft bürgerlicher Begegnungsort, ein Zentrum, an dem sich alle treffen und in dem sich alle wiederfinden können.