Erfahrungsbericht Thorsten Puttenat

Die letzten vielen Monate der Arbeit mit Occupy Villa Berg waren sehr an- und aufregend. Die Beschäftigung mit dem Gesamtareal vertiefte sich im Laufe der Zeit zusehends. Und obschon es auch innerhalb der Initiative unterschiedliche Ansichten bezüglich seiner Zukunft gibt, so wurde doch stets deutlich, dass jede Meinung willkommen war. Wir schafften es diese pluralistische Meinungsfreiheit zu leben, ohne dass es deshalb zu internen Reibungen oder gar Streitereien kam. Eine sehr schöne, vielfältige und wichtige Erfahrung mit mehr als 20 Menschen, die sich zuvor größtenteils nicht kannten. Talente und Potenziale wurden eingebracht, Aufgaben wurden kooperativ auf viele Schultern verteilt.

Für mich selbst kristallisierte sich während des Prozesses ein subjektives Bild eines möglichen Konzeptes heraus, befruchtet durch all die Meinungen jener BürgerInnen, die sich aktiv an der „Entscheidungsfindung“ beteiligten.

Villa Berg

Ein offenes, vielseitiges Haus. Montags eine Lesung, dienstags ein Theaterstück, mittwochs eine Podiumsdiskussion, donnerstags Poetry Slam, freitags ein ruhiges Konzert, samstags ein Tanzabend für Senioren, sonntags ein Flohmarkt. An sämtlichen Tagen könnten tagsüber  unterschiedliche Workshops stattfinden, sowohl für Jugendliche und Kinder als auch für Erwachsene und Senioren.

Park der Villa Berg

Mischkultur, aufgeteilt in verschiedene Bereiche – beispielsweise Ruhezone, Urban Gardening, Hundewiese, Kunst- und Kulturmöglichkeiten am Halbmondsee, historische Bereiche, Fußballplatz.

Sendestudios

Kein Abriss. Auf 20.000 Quadratmetern Grundfläche findet sich hier bereits eine weitgehend funktionierende Infrastruktur für das, was Stuttgart braucht – beispielsweise Räume für Kunst- und Kulturschaffende, für Vereine, Theater, Werkstätten, Proberäume, Ateliers, Filmkunst, Kreativwirtschaft. Im Gegensatz zu den im Raum stehenden Kosten von knapp 7 Millionen Euro, die man für Abriss und Parkwiederherstellung an dieser Stelle benötigen würde, könnte eine Weiternutzung Gelder einbringen.

Zusammenspiel von Villa, Park und Sendestudios als Gesamtkonzept

Ein kultureller, mit künstlerischen Elementen bespielter Ort, der allen zugänglich ist und ein mannigfaltiges Nutzungsangebot bietet, das den unterschiedlichen Generationen der BürgerInnen gerecht wird. Alle drei Bereiche würden sich gegenseitig befruchten und dem Gesamtareal eine offene, belebte Atmosphäre verleihen.

Mein Fazit

Unsere Stadt hat hier die Chance ein Projekt mit Modellcharakter zu entwickeln, das über Stuttgart hinausstrahlen könnte. Ja, an diesem Ort besteht die Chance, etwas wirklich Außergewöhnliches und Besonderes zu schaffen – um einem lebendigen Zusammenspiel von Historie und Zukunft auf innovative Weise gerecht zu werden und der Stadtgesellschaft ein vielschichtiges Angebot zu machen.

Ein Gedanke zu „Erfahrungsbericht Thorsten Puttenat

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