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Eine Frage an Frau Dr. Nicole Bickhoff: Können Sie uns die Verbindung von Königin Olga, König Karl und der Villa Berg vor dem Hintergrund der württembergisch-russischen dynastischen Beziehungen erklären?

König Karl, Königin Olga und die Villa Berg

Von Nicole Bickhoff

Die besonderen Beziehungen zu Russland sind ein zentrales Thema in der Geschichte Württembergs. Kennzeichnend sind der vielfache und fruchtbare Austausch in Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft, aber auch die schmerzlichen kriegerischen Auseinandersetzungen; im 19. und 20. Jahrhundert ist an den Russlandfeldzug 1812, als Württemberg an der Seite Napoleons kämpfte, und natürlich an den Ersten und Zweiten Weltkrieg zu denken. Die engen Verbindungen zwischen beiden Ländern manifestieren sich aber auch in fünf Frauengestalten und ihren fünf Ehen. Während auf russischer Seite diese fünf Heiraten nicht besonders ins Gewicht fallen – von 45 ausländischen Ehepartnern waren 41 deutsche –, spielen sie für Württemberg eine herausragende Rolle. Mit keinem anderen Fürstenhaus bestanden so enge dynastische Verbindungen wie mit dem Hause Romanow. Sophie Dorothee und Friederike Charlotte Marie, die nach Russland heirateten, sowie insbesondere Katharina, Olga und Wera, die von St. Petersburg nach Stuttgart kamen, waren prägende Gestalten: Sie verfügten über einflussreiche Beziehungen, ihr sagenhafter Reichtum verhalf der württembergischen Landeshauptstadt zu Glanz, und ihre weitreichende karitative Tätigkeit wirkte lange nach, zum Teil bis heute.

Als die russische Großfürstin Olga 1846 den württembergischen Kronprinzen Karl heiratete, war dies bereits die vierte Eheverbindung zwischen den Häusern Württemberg und Romanow. Bereits 1776 hatte die württembergische Prinzessin Sophie Dorothee (1859–1828), eine Nichte Herzog Carl Eugens, den Großfürsten und späteren Zaren Paul geheiratet, den Sohn Katharinas II. (der Großen). Eine Generation später kam ihre Tochter Katharina (1788–1819) nach Württemberg. An der Seite ihres Gatten, König Wilhelms I., bestieg sie wenige Monate nach der Heirat im Jahr 1816 den württembergischen Thron. Katharina zählt bis heute zu den populären Heldinnen der württembergischen Landesgeschichte. Grund für ihre Popularität ist ihr nachhaltig wirkendes soziales Engagement. Auch ihr allzu früher Tod 1819 – sie war gerade einmal 30 Jahre alt – hat sicher zu ihrer Verklärung beigetragen. Die dritte württembergisch-russische Ehe betraf Großfürst Michail, den jüngeren Bruder Katharinas. Er heiratete 1824 Friederike Charlotte Marie (1807–1873), eine Nichte König Wilhelm I. Ihr sozialpolitisches und karitatives Engagement sowie die Förderung von Kunst und Kultur machten sie zu einer einflussreichen Person in der St. Petersburger Gesellschaft.

Doch kommen wir nun zur vierten Verbindung, die wiederum eine Großfürstin nach Stuttgart und auf den württembergischen Thron führte, nämlich Olga Nikolajewna, die Nichte Königin Katharinas, Tochter des Zaren Nikolaus I. und seiner Gattin, Zarin Alexandra Feodorowna, geborene Prinzessin Charlotte von Preußen.

Über die Kindheit und Jugend der am 30. August 1822 geborenen Olga geben die Lebenserinnerungen Auskunft, die Olga selbst in den Jahren 1881 bis 1883 verfasste; das heißt, sie entstanden in Olgas letztem Lebensjahrzehnt und verklären ohne Zweifel Manches aus der zeitlichen Distanz heraus. Gleichwohl sind die Memoiren, die unter dem Titel „Traum der Jugend Goldner Stern“ 1955 publiziert wurden, eine wichtige Quelle. Die Aufzeichnungen beginnen mit Olgas Geburt und enden mit ihrer Heirat.

Die Ausbildung und Erzieher Olgas und ihrer Geschwister – sie hatte vier Brüder und zwei Schwestern – erfolgte durch Gouvernanten und Hauslehrer. Großfürstin Olga war den Erinnerungen und auch den Äußerungen ihrer Erzieher zufolge ein besonders begabtes Kind. Bereits mit fünf Jahren konnte sie in drei Sprachen lesen und schreiben: Russisch, Englisch und Französisch. Letzteres galt als ihre „Muttersprache“, unterhielten sich doch Olgas Eltern gewöhnlich auf Französisch. Auch in späteren Jahren korrespondierte Olga häufig auf Französisch.

Glaubt man den Erinnerungen, genoss Olga eine unbeschwerte Jugend, und Zar Nikolaus kümmerte sich persönlich um die Erziehung seiner Kinder. Als Olga in das heiratsfähige Alter kam, drehte sich für sie das „Heiratskarussell“: Prinzessinnen sind eigentlich bedauernswerte Geschöpfe. Der Gothaische Almanach verrät das Alter, man kommt dich anschauen wie ein Pferd, das zum Verkauf steht – so schildert Olga in ihren Memoiren humorvoll das Schicksal einer Fürstentochter. Als mögliche Kandidaten wurden unter anderem der spätere König Maximilian II. von Bayern und Erzherzog Stephan von Österreich gehandelt. Als das Heiratsprojekt mit Letzterem nach etlichen Jahren scheiterte – nicht zuletzt am Widerstand Metternichs und der Kaiserinwitwe Karoline Auguste –, brachte der russische Gesandte in Stuttgart, Fürst Gortschakow, Kronprinz Karl von Württemberg ins Gespräch. Die erste Begegnung mit dem württembergischen Kronprinzen fand am Neujahrstag 1846 in Palermo statt, wo Olga mit ihrer kränklichen Mutter den Winter verbrachte und Karl sie aufsuchte.

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Karl und Olga als Brautpaar. Vorlage: Hauptstaatsarchiv Stuttgart G 314 Bü 2.

Bei gemeinsamen Spaziergängen kamen sich Olga und Karl näher und fanden zueinander, und noch in Palermo wurde die Heirat beschlossen und Verlobung gefeiert. Olga beschreibt ihren Verlobten in der Erinnerung an diese Tage: Wie sah er aus? Etwas über mittelgroß, überragte er mich um Stirnhöhe. Die Augen waren braun, der Haaransatz Stirn und Schläfe schön umrahmend, die Lippen voll und geschwungen, ihr Lächeln so, dass es stets ansteckend war, Hände, Füße, die ganze Gestalt vollkommen gebildet, so stand er vor mir ohne Fehl außer diesem: dass er sechs Monate jünger als ich war. Oh, welches Glück zu lieben.

Am 13. Juli 1846 fanden in St. Petersburg die Hochzeitsfeierlichkeiten statt, die einem prunkvollen Zeremoniell folgten. Im September 1846 traf das neuvermählte Paar in Stuttgart ein und wurde unter großem Jubel begrüßt. Großfürstin Olga fiel die Eingewöhnung nicht leicht: Die kühle Atmosphäre am württembergischen Hof stand im Gegensatz zum familiär-vertrauten Umgang am Zarenhof. Belastend war auch das häufig angespannte Verhältnis zwischen König Wilhelm I. und seinem Sohn Karl. Olga behielt ihr ganzes Leben lang eine enge Verbindung zu ihrer russischen Heimat und reiste regelmäßig, meist in Begleitung ihres Mannes, nach St. Petersburg. Umgekehrt kam die russische Verwandtschaft auch gern und oft nach Stuttgart. Vor allem aber hielt Olga den engen Kontakt zu ihren Eltern und Geschwistern durch ihre umfangreiche Korrespondenz aufrecht.

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Briefe der Königin Olga. Vorlage: Hauptstaatsarchiv Stuttgart G 314 Bü 11.

Olga sorgte für Glanz am württembergischen Hof. Sie brachte eine prachtvolle Aussteuer mit nach Stuttgart. Außerdem erhielt Olga wie auch die anderen Großfürstinnen eine großzügige Mitgift von einer Million Rubel, angelegt bei der Russischen Staatsbank.

Die finanziellen Möglichkeiten Olgas gestatten es auch, das von Kronprinz Karl begonnene Bauvorhaben einer Sommerresidenz wieder aufzunehmen und großzügiger zu gestalten als ursprünglich geplant. Bereits 1843/44, nach der Rückkehr von einer Italienreise, hatte Kornprinz Karl den Entschluss gefasst, sich auf einem der vielen schönen Punkte in der lieblichen Umgebung Stuttgarts […] ein hübsches Landhaus […] in edlen Formen, mit bequemen Räumen, schöner Aussicht, in einem freundlichen Parke gelegen“ zu errichten. Karls Sekretär Friedrich Wilhelm Hackländer fand den passenden Ort auf dem „Höll’schen Bühl“ bei Berg. Trotz der zunächst wesentlich bescheidener geplanten Villa gingen die Arbeiten nur langsam voran. Die Heirat mit der russischen Großfürstin Olga sowie ein finanzieller Zuschuss des Schwiegervaters, des Zaren Nikolaus I., ermöglichten Karl die Realisierung des Landschlosses, und das in weit größerem Umfang. Kronprinzessin Olga nahm lebhaften Anteil an den Planungen; auf ihren Wunsch wurden die ursprünglichen Pläne des Architekten Christian Friedrich Leins verändert und erweitert. Der Rohbau der Villa Berg wurde 1847 vollendet, wegen der Revolution 1848 verzögerte sich jedoch die Fertigstellung bis zum Jahr 1853. Gleich nach Bezug des Sommerschlosses schrieb sie am 2. Oktober 1853 an ihre Mutter: Liebe Mutter, als erste Tat am ersten Morgen im neuen Haus schreibe ich Ihnen, damit Sie und Vater uns aus der Ferne für unser neues Leben segnen. […] Den Café haben wir auf Karls Balkon eingenommen, sein Zimmer liegt auf der Sonnenseite, angenehm im Herbst, die meinen liegen nach Norden, weil ich die Sommersonne fürchte. Wir werden unsere Gewohnheiten mit den Jahreszeiten ändern. – Olga hatte auch großen Anteil an der Gestaltung der Inneneinrichtung: Die opulente Ausstattung geht wohl auf sie zurück.

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König Karl von Württemberg. Fotografie, 1890. Vorlage: Hauptstaatsarchiv Stuttgart GU 99 Nr. 263.

Olga verstand es zu repräsentieren: Sie war ein gern gesehener Gast an den europäischen Fürstenhöfen, und auch in der Stuttgarter Residenz wurden häufig Gäste empfangen. Man pflegte Hofgesellschaften, lud zum Mittagessen ein, und abends gab es vielfältige Veranstaltungen wie Theater, Privatkonzerte, Tanztees und Soireen. Neben den Geburtstagen von König und Königin gehörte der Neujahrstag zu den wichtigsten Daten im Jahreslauf. Große gesellschaftliche Ereignisse waren auch die Hofbälle im Winter und die Gartenfeste im Sommer, wozu Schloss Rosenstein und die Wilhelma einen geeigneten Rahmen boten. Königin Olga konnte fürstlich auftreten und war eine glänzende Escheinung. Allerdings fehlte ihr eine gewisse Volksnähe. Der preußische Gesandte Philipp von Eulenburg-Hertefeld beschrieb sie später einmal: Sie steht da wie eine Sonnenblume auf einem freien Feld, groß, angestaunt und fremdartig.

Olga war zwar an Politik interessiert, doch war das nicht ihr vorrangiges Betätigungsfeld. Ein wichtiger Lebensinhalt war ihr soziales Engagement, das in zunehmendem Maße zu ihrer primären Aufgabe wurde. Die Erziehung und Bildung der Jugend war ihr ein besonderes Anliegen. Mit ihrer Hilfe und Unterstützung entstanden zahlreiche Kinderkrippen (die „Olga-Krippen“), Kinderrettungsanstalten und Kleinkinderbewahranstalten. 1873 gründete sie die zweite höhere Töchterschule, das Königin-Olga-Stift, und schuf auch zahlreiche Ausbildungsmöglichkeiten für Mädchen und Frauen. Die Entwicklung des Olgahospitals („Olgäle“), das 1842 als „Heilanstalt für Kinder unbemittelter Eltern“ gegründet worden war, wurde von ihr ideell und finanziell bestimmt und gefördert. Zudem übernahm die das Protektorat über ein Blindenasyl, das in Erinnerung an ihren Vater den Namen „Nikolauspflege“ erhielt.

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König Karl von Württemberg. Fotografie, 1890. Vorlage: Hauptstaatsarchiv Stuttgart GU 99 Nr. 263.

Olga war bemüht, aus ihrer Ehe das Beste zu machen. Auch wenn die Ehe arrangiert war, kam man die ersten Jahre gut miteinander zurecht. Die gemeinsamen Interessen für Musik, Literatur, Kunst und Theater besaßen einen großen Stellenwert in ihrem Leben und halfen, den Schein eines harmonischen Ehepaares aufrecht zu erhalten. Die Hoffnungen Olgas auf ein glückliches Familienleben erfüllten sich jedoch nicht. Olga litt unter der Kinderlosigkeit. Zusätzlich belastet wurde die Ehe durch die Launen und Depressionen Karls und seine Beziehungen zu berechnenden Günstlingen.

Nach außen bewahrte Olga aber stets ihre vornehm-distanzierte Haltung. Einen flüchtigen Einblick in ihr Gefühlsleben gewähren ihre Jugenderinnerungen, an deren Ende sie schreibt: Nach der Heirat beginnt ein so andersartiges Leben, ein Leben, dem viele bittere Momente beigemengt sind, trotz des vielen häuslichen Glückes, dass es mir besser erscheint, es nicht wieder hinaufzubeschwören! Die guten wie die schlechten Tage tragen zur Entwicklung unseres Wesens bei. Nicht sich verbittern lassen, jene ehren, die wir nicht lieben können, Böses mit Gutem erwidern, vermeiden, sich auf sich selbst zurückzuziehen, und doch einen unantastbaren Grund der Unabhängigkeit, der Ruhe und des Wohlwollens in sich bewahren – das war es, was ich stets zu verwirklichen trachtete.

König Karl starb am 6. Oktober 1891. Fast genau ein Jahr später, am 10. Oktober 1892, ging auch das Leben der Königin Olga zu Ende. Sie starb an ihrem Witwensitz in Friedrichshafen. In der Fürstengruft im Alten Schloss, an der Seite ihres Mannes, fand sie ihre letzte Ruhe.

Frau Dr. Nicole Bickhoff ist Leiterin der Abteilung Hauptstaatsarchiv Stuttgart im Landesarchiv Baden-Württemberg. Im Jahr 1956 in Bochum geboren hat sie Geschichte und Katholischen Theologie an der Ruhruniversität Bochum studiert und an der Universität Osnabrück zum Thema „Die Juden in der griechisch-römischen Welt“ promoviert. Nach einem Referendariat für den höheren Archivdienst am Landeshauptarchiv Koblenz und der Archivschule Marburg war sie u.a. Archivarin am Staatsarchiv Ludwigsburg, Leiterin der archivfachlichen Grundsatzabteilung in der Landesarchivdirektion bzw. im Landesarchiv Baden-Württemberg sowie (seit 2000) Ständige Stellvertreterin des Präsidenten. Sie hat zahlreiche historische Ausstellungen begleitet, ist Autorin von archivfachlichen und landesgeschichtlichen Veröffentlichungen und hat Lehraufträge am Institut für Geschichtliche Landeskunde und Historische Hilfswissenschaften der Universität Tübingen und der Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Aktuell ist sie zudem Vorsitzende des Württembergischen Geschichts- und Altertumsvereins.

Quellen und Literatur:

  • Hauptstaatsarchiv Stuttgart G 314
  • Königin Olga von Württemberg: Traum der Jugend goldner Stern. Aus den Aufzeichnungen der Königin Olga von Württemberg. Aus dem Französischen übersetzt und herausgegeben von Sophie Dorothee Gräfin Podewils. Pfullingen 1955.
  • Olga – russische Großfürstin und württembergischen Königin. Ein Leben zwischen Höfischer Repräsentation, Politik und Wohltätigkeit. Hrsg. vom Haus der Heimat. Stuttgart 2008.
  • Das Königreich Württemberg. 1806–1918. Monarchie und Moderne. Katalog der Großen Landesausstellung vom 22. September 2006 bis 4. Februar 2007 im Landesmuseum Württemberg. Stuttgart 2006.
  • Friedrich Wilhelm Hackländer: Der Roman meines Lebens. Bd. 2. Stuttgart 1878.

Öffentliche Sitzung Bezirksbeirat Stuttgart-Ost (15.07.15)

In der öffentlichen Sitzung des Bezirksbeirats Stuttgart-Ost am Mittwoch, 15. Juli, 18:30 Uhr im Bürgerservicezentrum Ost, Schönbühlstr. 65 (Bürgersaal – 3. OG) ist die Villa Berg und der Park das große Thema. Hier die Tagesordnung, Zuhörer sind willkommen:

TOP 1
Villa Berg, Einigung mit dem derzeitigen Eigentümer

TOP 2
Bebauungsplan mit Satzung über örtliche Bauvorschriften Park der Villa Berg im Stadtbezirk Stuttgart-Ost (Stgt 281) – Aufstellungsbeschluss gemäß § 2 (1) BauGB

Hier finden Sie mehr Informationen zum Bezirksbeirat Stuttgart-Ost. Die Sitzung wird organisiert von der Stadt Stuttgart, Occupy Villa Berg kommuniziert lediglich den Termin.

Erfolgreicher Abschluss von Occupy Villa Berg – Angebot zur Staffelübergabe an die Stadt Stuttgart

Erklärung der Initiative „Geschichte trifft Zukunft – Occupy Villa Berg“

24. Juni 2015

Die Initiative Occupy Villa Berg hat ihr Ziel erreicht und macht der Stadt Stuttgart das Angebot bis Ende des Jahres die Arbeitsergebnisse und die Plattform zu übergeben und bei der Konzeption der zukünftigen Bürgerbeteiligung zu beraten. Am 3. Dezember 2015 wird Occupy Villa Berg die Arbeit mit einer Abschlusspräsentation beenden und den Staffelstab offiziell an die Stadt Stuttgart übergeben.

Occupy Villa Berg ist als informelle, temporäre und bürgerschaftliche Plattform gestartet mit dem Ziel, dass sich Bürgerinnen und Bürger die Villa Berg und den Park wieder aneignen und durch die Identifikation mit dem Ort erste Ideen für dessen Zukunft entwickeln.

Mit dem angekündigten Kauf der Villa Berg durch die Stadt Stuttgart ist ein wichtiges Ziel unserer Initiative erreicht. Die Bürgerbeteiligung sollte jetzt in eine von der Stadt verantwortete Form überführt werden. Unser Ansatz als Plattform war es, alle Ideen und Meinungen ohne Bewertung aufzunehmen und an die Stadt weiterzuleiten. Jetzt sind schlüssige Konzepte gefragt, das Panorama an Ideen muss verdichtet werden. Die Diskussion um die Zukunft von Villa und Park ist offiziell eröffnet, die Stadt Stuttgart als Eigentümer ist in der Verantwortung diese zu gestalten. Wir sind damit an unserem Ziel angelangt und werden unsere Arbeit bis Ende des Jahres 2015 abschließen.

Wir werden dazu unsere Arbeitsergebnisse aktualisieren, aufbereiten und der Stadt Stuttgart wie bereits im Oktober 2013 als Bericht übergeben. Wir möchten anbieten, die Stadt im zweiten Halbjahr 2015 bei der Entwicklung eines Konzepts für die zukünftige Bürgerbeteiligung zu beraten und unsere Erfahrungen einzubringen. Uns ist es wichtig eine verantwortungsvolle und transparente Übergabe zu organisieren. Am Donnerstag, 3. Dezember 2015 wollen wir bei unserem letzten Abschlussveranstaltung im Theater Friedenau die erfolgreiche Arbeit von Occupy Villa Berg mit allen Freundinnen und Freunden von Villa und Park gemeinsam beenden und den Staffelstab offiziell an die Stadt Stuttgart übergeben. Mit einer Öffnung der Villa Berg für die Bürgerinnen und Bürger am Tag des offenen Denkmals am 13. September könnte die Stadt bereits vorher ein wichtiges Signal setzen.

Wir werden uns dafür einsetzen, dass die in unserem Bericht „Ideen, Wünsche und Bilder 2013“ dokumentierten Beteiligungsergebnisse, Gastbeiträge, Beispielprojekte und Empfehlungen in den zukünftigen Prozess einfließen. Wir wollen darauf hinwirken, dass die nun Verantwortlichen bei der zukünftigen Bürgerbeteiligung kreative und niederschwellige Beteiligungsformen nutzen und den Prozess insgesamt offen, vielfältig und inspirierend gestalten. Für eine erfolgversprechende Bürgerbeteiligung ist es notwendig, Planungsmittel im Doppelhaushalt 2016/17 bereitzustellen. Über die Ergebnisse unserer Bemühungen werden wir bei unserer Abschlussveranstaltung – hoffentlich gemeinsam mit der Stadt – berichten.

Das Verhandlungsergebnis von Stadt Stuttgart und PDI bewerten wir insgesamt positiv. Durch den Kauf von Villa Berg, Sendestudios und Tiefgarage wird ein historischer Fehler der Stadt Stuttgart korrigiert und für die Zukunft eine gemeinwohlorientierte Entwicklung des Areals sichergestellt. Dass die Stadt nicht bereits zu früheren Zeitpunkten ihr Vorkaufsrecht genutzt hat, bleibt ein Zeichen verfehlter Stadtentwicklungspolitik. Aktuell konnte die Stadt die Villa deshalb nur durch ein Tauschgeschäft zurückgewinnen, das ist der etwas bittere Beigeschmack an einem positiven Tag für Stuttgart.

Occupy Villa Berg

Geschichte trifft Zukunft – Occupy Villa Berg versteht sich als offenes Netzwerk und bürgerschaftliche Plattform für die Villa Berg und ihren Park, sie ist eine ehrenamtliche Initiative engagierter StuttgarterInnen, die sich aus ganz unterschiedlichen Perspektiven mit Stadtraum und Partizipation beschäftigen. Im Jahr 2013 hat die Initiative mit Planungspicknicks dazu eingeladen, den Ort gedanklich und emotional mit Ideen, Wünschen und Bildern zu besetzen. Die Ergebnisse wurden online dokumentiert und in einem Bericht der Stadt übergeben. In den Jahren 2014 und 2015 hat die Initiative das gemeinschaftliche Leben rund um die Villa und den Park mit Führungen, Stammtischen und Konzerten mitgestaltet. Seit dem Start im Frühjahr 2013 konnten über 200 Beteiligungsbeiträge gesammelt werden, mehr als 2000 Bürgerinnen und Bürger haben eine unserer Aktionen besucht, über 2200 Menschen folgen uns auf Facebook, der Blog verzeichnete über 125.000 Aufrufe. Wir konnten 14 Autoren für ehrenamtliche Gastbeiträge gewinnen, haben 10 Beispielprojekte vorgestellt und etwa 30 Veranstaltungen (mit)organisiert. Insbesondere freuen wir uns die Kooperation mit der Hochschule für Technik mitinitiiert zu haben, die nun einerseits zu umfangreicher wissenschaftlicher Forschung und andererseits ganz konkret zur Sanierung des Belvedere am Rosengarten im Park der Villa Berg führt.

Persönliche Statements

„Ob der Investor gewonnen hat oder nicht, ob der Eiermann-Saal schützenswert ist oder nicht, ob die Studiobauten abgerissen werden sollen oder nicht – zu vielem herrschen unterschiedliche Meinungen. Dazu, dass die Villa Berg wert ist, erhalten zu werden zum Glück kaum. Ich freue mich, dass wir in den vergangenen Jahren als Initiative Occupy Villa Berg die Weichen für dieses Gebäude mitstellen konnte. Es ist uns gelungen, anzustoßen – Gedanken, Veränderungen, Menschen. Das war unser Ziel und wir haben es in mehrerlei Hinsicht erreicht. Nun ist es Zeit, die Verantwortung an diejenige abzugeben, die in Zukunft verbindliche Planung betreiben kann – die Stadt. Bleibt ein Wunsch zum Schluss: In Stuttgart leben großartige Menschen mit großartigen Ideen. Bitte, liebe Stadt, nimm alle diese Menschen mit in eine Fortsetzung der Beteiligung. Zeig, dass es dir ernst ist mit dem Bürgerwillen. Nimm dir Zeit, hör genau zu und sei offen. Dann kann das ein ganz großartiges Projekt werden.“ (Deborah Brinkschulte)

„Ich bin glücklich, dass das intensive Engagement in den letzten zwei Jahren zu diesem Ergebnis geführt hat. Wir wollten zeigen, dass ‚Occupy’ die Aneignung und Rückeroberung öffentlicher Räume durch die Bürgerinnen und Bürger der Stadt bedeutet. Ich hoffe, dass dieser Gedanke in Stuttgart Wurzeln schlägt. Die Identität von Stadt liegt auch in manchen Bauwerken, die Identität von Stadt sollte allerding nicht in Investorenhand liegen. Wir wollen die Plattform ‚Occupy Villa Berg’ in dieser Form beenden und die Verantwortung übergeben. Die Gemeinschaft, die entstanden ist, wird in neuer Form weiter wachsen.“ (Christian Dosch)

„Endlich eine gute Nachricht zur Villa Berg! Die lange, konstruktive und friedliche Bemühung um die Villa, die Sendestudios und den Park zeigt Früchte. Die Veranstaltungen im Park, die Stammtische, die vielen Gespräche und der einhundertfünfzig Seiten schwere Abschlussbericht mit unzähligen Meinungen und Ideen haben dazu beigetragen, den Wert der Villa und des Areals zu betonen, der nun endlich wieder zur Geltung kommen kann. Stuttgart ist damit ein Stück reicher geworden. Mit dem Kauf der Villa ist ein erster längst überfälliger Schritt getan und ein weiteres Kapitel kann beginnen. Für die Stadt Stuttgart ein einfaches Spiel, denn sie kann nun eine Bürgerbeteiligung durchführen, welche längst über den Start hinausgekommen ist und von der man weiß, dass sie gerne und mit viel Engagement angenommen werden wird. Hiermit hat auch die Initiative ‚Geschichte trifft Zukunft – Occupy Villa Berg’ ihren Zweck erfüllt und einige Engagierte können sich nun neuen Projekten widmen.“ (Tobias Köngeter)

„Seit über zehn Jahren habe ich mich dafür eingesetzt, dass der Park und die Villa Berg den Stuttgarter Bürgern zurückgegeben werden. Die jetzt erzielte Lösung ist für mich ein Zeichen, dass sich jede investierte Minute gelohnt hat. Jetzt heißt es gemeinsam mit allen Interessierten ein Konzept für die Zukunft zu entwickeln, das möglichst viele Interessen in Einklang bringt.“ (Jörg Trüdinger)

Veranstaltungen (vorauss.)

13.09.2015     Aktion zum Tag des offenen Denkmals
15.09.2015     Stammtisch Villa Berg
17.10.2015     Aktion zur Stuttgart-Nacht
03.12.2015     Abschlusspräsentation Occupy Villa Berg

Kontakt

Initiative „Geschichte trifft Zukunft – Occupy Villa Berg“
Deborah Brinkschulte, Christian Dosch, Tobias Köngeter, Jörg Trüdinger
info@occupyvillaberg.de
www.occupyvillaberg.de
www.facebook.com/occupyvillaberg

Pressemitteilung Stadt Stuttgart: Stadt erwirbt die Villa Berg und die ehemaligen Fernsehstudios (23.06.2015)

Stadt erwirbt die Villa Berg und die ehemaligen Fernsehstudios. OB Kuhn: „Bürger erhalten endlich die Villa und den Park zurück“

Die Landeshauptstadt Stuttgart erwirbt die Villa Berg und die ehemaligen Fernsehstudios. Dies vereinbarte sie jetzt mit dem bisherigen Eigentümer, der PDI Property Development Investors GmbH.

Die Stadt erwirbt die Villa Berg und die dazugehörigen Fernsehstudios mit einer Grundstücksfläche von zusammen 11.230 Quadratmetern für 300.000 Euro.

OB Fritz Kuhn: „Historische Chance für die gesamte Stadt“

Oberbürgermeister Fritz Kuhn: „Die Villa und der Park bilden ein hochwertiges Ensemble in reizvoller Lage. Es ist eine historische Chance für die gesamte Stadt. Und die Bürger bekommen zurück, was ihnen bereits gehörte. Ich freue mich darauf, gemeinsam mit Gemeinderat und Bürgerschaft den Park zu gestalten und Konzepte für die Villa zu entwickeln.“

Michael Föll: Stadt hat intensiv verhandelt

Erster Bürgermeister Michael Föll: „Wir haben intensiv verhandelt und uns dabei stets am Grundsatzbeschluss des Gemeinderats orientiert. Diesem tragen wir nun Rechnung.“

Der Gemeinderat hatte 2013 erklärt, Villa, Fernsehstudios und Tiefgarage übernehmen zu wollen. Ziel ist es, die Villa öffentlich nutzbar zu machen und die Fernsehstudios zurückzubauen, um den Park angelehnt an die historische Wege- und Achsenkonzeption wiederherzustellen.

Bauhof in der Sickstraße geht an die PDI-Gruppe

Mathias Düsterdick, CEO der Düsseldorfer PDI-Gruppe: „Wir sind sehr glücklich, eine einvernehmliche Lösung mit der Landeshauptstadt Stuttgart gefunden zu haben.“

Die Vereinbarung sieht auch vor, dass die Stadt der PDI den bisherigen Bauhof des Garten-, Friedhof- und Forstamtes in der Sickstraße mit einer Fläche von ca. 3.770 Quadratmeter zum Verkehrswert von 3,2 Mio. Euro verkauft.

Ein entsprechender Bebauungsplan soll den Bau von circa 40 Wohneinheiten ermöglichen. Das Stuttgarter Innenentwicklungsmodell findet dabei keine Anwendung.

Gemeinderat und Bezirksbeirat beraten im Juli über Beschlüsse

Darüberhinaus wird die Stadt im Rahmen ihrer Verpflichtung aus dem Erbbaurechtsvertrag der PDI für das Tiefgaragenbauwerk mit 376 Stellplätzen eine Gebäudewertentschädigung von 1,45 Mio. Euro bezahlen.

Die Stadt hat die Möglichkeit, die Sanierung der Villa und den Rückbau der Fernsehstudios vom Land bezuschussen zu lassen. Möglich wird dies durch den Beschluss des Gemeinderats aus dem vergangenen Jahr, das bestehende Sanierungsgebiet Stuttgart 29 – Teilgebiet Stöckach – um den Park der Villa Berg zu erweitern.

Der Gemeinderat und der Bezirksbeirat Ost werden im Juli über die notwendigen Beschlüsse entscheiden und das weitere Vorgehen beraten.

Quelle: Stadt Stuttgart

„Russisches Theater“ – Auszüge aus dem Programm des Theater Atelier (12.04.2015)

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„Russisches Theater“ – Auszüge aus dem Programm des Theater Atelier
(In deutscher Sprache)

Die Villa-Berg-Bewohnerin Olga Nikolajewna Romanowa war Ehefrau des Kronprinzen Karl und damit später Königin von Württemberg. Ursprünglich aber kam sie aus Russland und war dort Großfürstin. Inspiriert von Olgas Herkunft haben wir am Sonntag, 12. April 2015 gemeinsam mit dem Theater Atelier – unter Leitung von Vladislav Grakovski – Auszüge aus zwei Theaterstücken mit russischen Hintergrund gezeigt. Veranstaltungsort war das Belvedere am Rosengarten im Park der Villa Berg.

  • Schauspiel DER IDIOT: Leben und Tod, Barmherzigkeit und Verzweiflung, Leid und Leidenschaft, Träume und Realität, Gier und Eifersucht – die menschliche Seele ist „ein Schlachtfeld, wo Gott und Satan miteinander kämpfen“. Inszenierung des Klassikers von Fjodor Dostojewski. Mit Femi Morina, Kai Plaumann, Marja Rothenhöfer und Sandra WIllmann.
  • Schauspiel RUSSENDISKO: In der UdSSR können Wladimir und Mischa ihr eigenes Leben nicht richtig aufbauen und suchen daher in Deutschland ihr Glück. Ein Komödie über Emigration, Freundschaft, Heimat und Liebe nach dem Bestseller von Wladimir Kaminer. Mit Christian Hübner, Daniel Neumann, Laura Pletzer und Waldemar Schwimmer.

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Wettbewerb „Leuchttürme der Bürgerbeteiligung“ – Abstimmungsphase

Occupy Villa Berg macht mit beim Wettbewerb „Leuchttürme der Bürgerbeteiligung“, dazu ist eine Projektbeschreibung im Staatsanzeiger erschienen. Der zweite Leuchtturmwettbewerb des Staatsanzeigers Baden-Württemberg widmet sich der Fragestellung, wie der viel beschworenen Politikverdrossenheit begegnet werden kann. Der Staatsanzeiger hat gemeinsam mit Gisela Erler, Staatsrätin für Zivilgesellschaft und Bürgerbeteiligung (Schirmherrin), sowie dem Städtetag, dem Gemeindetag und dem Landkreistag aufgerufen, Beispiele für besonders gelungene neue Wege der Beteiligung von Bürgern in der Kommunalpolitik einzureichen. Es wurden fünf Kategorien festgelegt, aktuell läuft die Abstimmungsphase. Wir würden uns freuen, wenn viele Freundinnen und Freunde der Villa Berg und des Parks für Occupy Villa Berg abstimmen, so dass wir mit der Siegesprämie neue Aktionen starten können.

Hier geht es zur Abstimmung, Sie müssten pro Kategorie ein Projekt auswählen.

Vorschläge im Bürgerhaushalt der Stadt Stuttgart

Wir haben zwei Vorschläge in den aktuellen Bürgerhaushalt der Stadt Stuttgart eingebracht und würden uns freuen, wenn diese Ihre Zustimmung finden. Abgestimmt werden kann bis 30. März 2015. Verbreiten Sie die Vorschläge gerne weiter. Villa Berg und Park brauchen Ihre Unterstützung.

Hier findet Ihr einen Flyer für unsere beiden Vorschläge. Wir freuen uns über Verbreitung.