Hervorgehobener Beitrag

Abschluss der Initiative “Geschichte trifft Zukunft – Occupy Villa Berg”

Die temporäre Initiative “Geschichte trifft Zukunft – Occupy Villa Berg” ist nun selbst Geschichte. Mit dem Kauf der Villa Berg durch die Stadt Stuttgart Ende 2015 hat die Initiative ein wichtiges selbstgestecktes Ziel erreicht und übergibt den Staffelstab nun an die Stadt Stuttgart. Am Donnerstag, 3.12.2015 haben wir bei unserer Abschlussveranstaltung im Restaurant Theater Friedenau Herrn Oberbürgermeister Kuhn vor mehr als 130 Gästen unsere Projektdokumentation übergeben. Auf etwa 250 Seiten haben wir unsere Aktionen und das gesammelte Wissen aus Bestandsaufnahme, Gastbeiträgen und Beispielprojekten gebündelt und persönliche Einblicke, kreative Beiträge und inspirierende Ideen für die Zukunft dokumentiert. Die Projektdokumentation ist inzwischen auch online verfügbar. Anfang 2016 haben wir zudem über 100 Kontakte von Freundinnen und Freunden der Villa Berg, die in das zukünftige städtische Beteiligungsverfahren einbezogen werden möchten, an das Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung übergeben. Wir möchten uns für die viele Unterstützung bedanken und hoffen mit Occupy Villa Berg ein Beispiel für eine bürgerschaftlich getragene Beteiligungsplattform gegeben zu haben. Danke!

Hervorgehobener Beitrag

Städtischer Beteiligungsprozess – Weitergabe von Email-Adressen

Die Initiative Occupy Villa Berg endet mit dem Kauf der Villa Berg durch die Stadt, nun wird die Stadt Stuttgart im Jahr 2016 einen eigenen Beteiligungsprozess initiieren. “Dabei können wir auf die hervorragenden Vorarbeiten von Occupy Villa Berg aufbauen und die vielen Ideen in die Bürgerbeteiligung mit einbeziehen” sagt Oberbürgermeister Fritz Kuhn.

Damit Sie in Zukunft direkt von der Stadt Stuttgart über den Beteiligungsprozess und die Zukunft von Villa Berg und Park informiert werden, haben wir Ihnen angeboten Ihre Email-Adresse an die Stadt weiterzugeben. Über 100 Freundinnen und Freunde der Villa Berg sind dem Aufruf gefolgt und wollen sich in den zukünftigen städtischen Beteiligungsprozess einbringen. Die Kontakte haben wir Ende Januar an das Amt für Stadtplanung und Stadterneuerung der Stadt Stuttgart übergeben.

Pressemitteilung: Stadt übernimmt die Villa Berg (17.12.2015)

Die Stadt Stuttgart teilt in einer Pressemitteilung am 17.12.2015 folgendes mit:

“Die Landeshauptstadt Stuttgart übernimmt zum 1. Januar 2016 die Villa Berg und die ehemaligen Fernsehstudios. Der Vertrag dazu wurde jetzt mit GERCH Development GmbH (vormals: PDI Property Development Investors GmbH) unterzeichnet. Die Stadt hatte im Juni 2015 bekannt gegeben, die Villa Berg und die dazugehörigen Fernsehstudios mit einer Grundstücksfläche von insgesamt 11.230 Quadratmetern für 300.000 Euro zu erwerben.

Oberbürgermeister Fritz Kuhn erklärte: “Der Vertragsabschluss hatte sich hingezogen. Inzwischen sind alle offenen Fragen geklärt. Ich bin erleichtert, dass die Kuh vom Eis ist und wir uns mit Matthias Düsterdick geeinigt haben.” Ziel der Stadt ist es, die Villa öffentlich nutzbar zu machen und den Park – angelehnt an die historische Wege- und Achsenkonzeption – wiederherzustellen und den Bürgern zurückzugeben.

Die konkrete Nutzung von Park und Villa soll mit den Bürgern in einer Bürgerbeteiligung entwickelt werden. “Dabei können wir auf die hervorragenden Vorarbeiten von Occupy Villa Berg aufbauen und die vielen Ideen in die Bürgerbeteiligung mit einbeziehen”, so der Oberbürgermeister.

Nach förmlicher Übernahme wird die Stadt zunächst den baulichen Zustand der Villa Berg erfassen und bewerten. Erst danach können Aussagen über Aufwand und Kosten einer Sanierung sowie den Beginn der Bürgerbeteiligung zur künftigen Nutzung gemacht werden.”

Quelle: Stadt Stuttgart

Villa Berg (Foto: Prof. Horst Sondermann)

Abschlussveranstaltung Occupy Villa Berg (03.12.2015)

Wir haben am Donnerstag, 3. Dezember ab 19.30 Uhr alle FreundInnen der Villa Berg und ihres Parks, alle TeilnehmerInnen unserer Aktionen, alle WegbegleiterInnen von Occupy Villa Berg und alle BürgerInnen, die an der Zukunft von Villa und Park interessiert sind, eingeladen ins Restaurant Theater Friedenau zu unserer Abschlussveranstaltung. Über 130 Gäste sind unserer Einladung gefoglt. Gemeinsam haben wir auf 2 1/2 Jahre Occupy Villa Berg zurückgeblickt, die Ergebnisse gefeiert und den Staffelstab offiziell an die Stadt Stuttgart übergeben. Wir freuen uns sehr, dass Oberbürgermeister Fritz Kuhn unsere Projektdokumentation entgegengenommen hat.

Programm:

  • Jürgen Brand (Stuttgarter Zeitung), Begrüssung und Abendmoderation
  • Kammermusik mit dem Villa Berg Quartett (Gabriele Turck, Gesa Jenne, Ingrid Philippi, Wolfgang Düthorn)
  • Auf höchstem Niveau. Die Villa Berg als Ort der Kultur – Geschichte und Anknüpfungspunkte” (Dietrich Heißenbüttel, Autor und Kunsthistoriker)
  • Beteiligung kreativ gestalten – Erkenntnisse & Perspektiven zur Zukunft der Villa Berg” (Frieder Hartung, Stadtplaner)
  • Podiumsgespräch mit Oberbürgermeister Fritz Kuhn
  • Übergabe der Projektdokumentation der Initiative “Geschichte trifft Zukunft – Occupy Villa Berg”
  • anschließend Ausklang und geselliges Beisammensein

“Ideen, Wünsche, Bilder und Aktionen 2013-2015”

Occupy Villa Berg ging nach zwei Jahren voller Planungspicknicks, Führungen, Stammtische und Konzerte Ende 2015 zu Ende. Wir haben die Chance genutzt, um unsere Aktionen und das gesammelte Wissen aus Bestandsaufnahme, Gastbeiträgen und Beispielprojekten in unserer Projektdokumentation zu bündeln. Etwa 250 Seiten voller Informationen, persönlicher Einblicke, kreativer Beiträge und inspirierender Ideen für die Zukunft. Ergänzt um wissenschaftliche Beiträge von der Walcker-Orgel, über den Eiermann-Sendesaal bis zum Olga-Album. Wertvoll für Alle, denen die Villa Berg und ihr Park am Herzen liegt und die auch die Zukunft des Areals mitgestalten wollen.

Die Projektdokumentation “Occupy Villa Berg – Ideen, Wünsche, Bilder und Aktionen 2013 – 2015” konnte zum Selbstkostenpreis von 30,00 Euro inkl. Versand bis Mitte Dezember 2015 als Druckexemplar bestellt werden, aktuell ist sie nur noch als PDF verfügbar.

Wir wünschen gute Lektüre und danken für Ihr Interesse!

Eine Frage an Ulrich Gohl: Können Sie uns Herkunft und Bedeutung der beiden modernen Plastiken nahe der Villa Berg erläutern?

Hinweis: Diese Texte wurden zuerst veröffentlicht in der Publikation “Im öffentlichen Raum. Kunstwerke und Denkmäler im Stuttgarter Osten” (Ulrich Gohl, Bd. 10 der Reihe „Hefte zum Stuttgarter Osten“, Verlag im Ziegelhaus, 2010) und uns mit freundlicher Genehmigung des Autors zur Verfügung gestellt.

In der Umgebung der Villa Berg gibt es zwei prägende moderne Plastiken: „Kreisende Adler“ von Fritz Melis und das „Mahnmal“ von Otto Baum.

Fritz Melis: Kreisende Adler

Östlich der Villa Berg in Richtung zu den ehemaligen Fernsehstudios des SWR, steht eine Skulptur, die viele nicht zuordnen können. Es handelt sich um die „Kreisenden Adler“ des Bildhauers Fritz Melis.

Melis wurde 1913 in Berlin-Pankow geboren. Zwischen 1933 und 1936 studierte er an der Akademie Berlin und wurde 1937 freischaffender Künstler. Militärdienst und Kriegsgefangenschaft (1938-46) unterbrachen seine Laufbahn. 1946 kam er nach Stuttgart, hatte Kontakt zu hiesigen Künstlern wie Otto Baum, Ida Kerkovius oder Alfred Lörcher – aber auch zu vielen Architekten, die Melis’ Arbeiten für ihre Bauten schätzten. 1958 erstellte er sich ein Atelierhaus in Bietigheim, wo ihn seine Mitbürger 1968 in den Gemeinderat wählten. Er starb 1982.

Melis’ künstlerischer Schwerpunkt lag auf den Tierdarstellungen, wobei er „das Tier trotz weitgehender Abstraktion (oder deshalb) wesenhaft zu erfassen“ suchte – so Günther Wirth in einem Text von 1983. Nicht selten zerlegte er die Gestalt in Dreiecke, so auch bei der äußerst dynamischen, fünfeinhalb Meter hohen Skulptur aus Kupferblech „Kreisende Adler“. Das für den Süddeutschen Rundfunk geschaffene, 1970 aufgestellte Werk ist heute in keinem sehr guten Zustand: Nähte sind geplatzt, Oberflächen beschädigt.

Otto Baum: Mahnmahl

Otto Baum kam im Jahre 1900 in Leonberg als Bauernsohn zur Welt und wuchs in Vaihingen auf den Fildern auf. Er arbeitete als Schlosser, Matrose, Holzbildhauer und Farbenverkäufer, ehe er von 1924 bis 1927 und von 1930 bis 1934 an der Stuttgarter Kunstakademie studierte. Bald hatte er erste Ausstellungen, schuf bedeutende Bauplastiken, besonders für Gebäude von Paul Bonatz. 1937 wurden seine Werke als „entartet“ aus Museen entfernt, Aufträge blieben aus. Er arbeitete heimlich in seinem Degerlocher Gartenhaus. Von 1946 bis 1965 war er Professor für Bildhauerei an der hiesigen Akademie und erhielt zahlreiche öffentliche Aufträge. 1949 baute er sich in Esslingen sein eigenes Atelierhaus. Ab Ende der 1950er-Jahre wurde Baum auch international anerkannt, blieb aber öffentlichkeitsscheu. In den 1970er-Jahren erkrankte er schwer und nahm sich 1977 das Leben.

Das Mahnmal hieß zunächst offiziell „Ehrenmal für die gefallenen Schüler der Wirtschaftsoberschule“ und wird heute als „Mahnmal“ geführt. Das zehn Meter breite Werk aus gemauertem Muschelkalk schuf der Künstler im Jahre 1960. Auf der Vorderseite ist abstrahiert die durch den Krieg geschundene Kreatur zu erkennen; für die beiden Weltkriege stehen die Ziffern „1914-1918“ und „1939-1945“, dazu kommt die Künstlersignatur. Flammen und Trümmer auf der Rückseite stehen für die materiellen Zerstörungen. Dieses herausragende Werk ist, wohl wegen Absenkung des Sockels, ungefähr in der Mitte auseinandergebrochen. Ein Blick auf die Rückseite ist wegen wuchernder Vegetation fast nicht möglich, außerdem haben hier Sprayer ihr Unwesen getrieben.

Das Mahnmal steht hinter der ehemaligen Wirtschaftsoberschule, der heutigen Johann-Friedrich-von-Cotta-Schule in der Sickstraße 165 im Raitelsberg. Es ist auch sichtbar vom südöstlichen Ende des Parks der Villa Berg.